Künstliche Kreativität — Was taugt der Picasso aus dem Automaten?

Culture
re:publica 2017

Kurzthese: 

Die Maschinen werden kreativ. Längst produzieren sie nicht mehr nur Texte, Melodien und Bilder nach vorgegebenen Mustern. Sie entwickeln auch kreative Lösungen für Schaltungsprobleme, entwickeln eigene Patente und beweisen mathematische Hypothesen. Dafür sind keine Superrechner oder neuronalen Netze nötig. Künstliche Kreativität besteht meist aus wenigen Codezeilen. Trotzdem ist sie oft assoziativer, radikaler und effizienter als ihr menschliches Vorbild. Aber macht sie das schon originell?

Beschreibung: 

Die Kreativität, sie bleibt die Domäne des Menschen so durften wir bisher hoffen. Doch von der elektronischen Musik über die Sportberichterstattung bis zur Homepagegestaltung konkurriert der Mensch längst mit kreativer Software. Wird der nächste Hit, die Zukunft des Designs, der kommende Pulitzerpreis von Computer abgeräumt?

Wahrscheinlich nicht. Denn gerade diese Musterprojekte reproduzieren nur bekannte Regeln von Textaufbau, Tonharmonien und Formverhältnissen. Doch sieht nicht genauso das Handwerk des Journalismus, der Komposition und des Designs aus: Kreativität nach Schema F? Was an kreativer Arbeit ist eigentlich wirklich kreativ?

Kreativ ist, was Neues schafft. Doch auch Neues besteht immer aus der Verknüpfung von Altem. Die großen Eingebungen der Menschheitsgeschichte waren überraschende Assoziationen von Worten, Tönen und Formen.

Rekombinieren kann jedoch auch die Technik. Das zeigt die automatische Patentmaschine All Prior Art. Das Kunstprojekt verhackstückt beliebige Patente miteinander zu neuen Erfindungen. Das Ergebnis nach über zwei Millionen Durchläufen: nur Müll.

Willkür führt also noch nicht zu Innovation. Kreativität ist vor allem kreative Problemlösung: Sie braucht einen Zweck. Allerdings ist auch hier die Maschine im Vormarsch: Die Evolutionäre Hardwareentwicklung optimiert automatisch Schaltkreise. Die Ergebnisse sind effizienter als jeder menschengemachte Schaltplan. Nur wie sie funktionieren, kann sich niemand erklären.

Doch kreative Maschinen brauchen das Problem nicht verstehen, um zum Ziel zu kommen. Versuch und Irrtum reichen ihnen. Das macht sie gelegentlich innovativer als Menschen. Diese entwerfen zwar zielgerichtet und bewusst, sind aber durch ihre Denkmuster und -kapazitäten eingeschränkt.

Doch was kann künstliche Kreativität besser, was menschliche? Wie wird kreative Arbeit in Zukunft aussehen? Werden wir als Art-Direktoren die Gestaltungsalgorithmen anleiten oder als Click-Worker die Rechencluster mit Kreativitätshappen füttern?

Stage L2
Montag, 8. Mai 2017 - 19:00 bis 19:30
Deutsch
Vortrag
Alle

Tracks

Speakers

Herausgeber