Nelly Ben Hayoun in Aktion: Das Unmögliche entwerfen

Designerin und Regisseurin Nelly Ben Hayoun will Chaos und Subversion in die aufgeräumten und hierarchischen Welten von Wissenschaft und Design bringen. Mit ihren beiden Doppelgängerinnen Aglaé und Anaïs Zebrowski liefert sie eine neue Form eines hyperrealistischen Erlebnisses. 

Die Nelly Ben Hayoun (NBH) Studios sind dafür bekannt, das Unmögliche zu designen: So kann jeder Astronaut im eigenen Wohnzimmer werden, während er Dunkle Materie in der Küche kocht und auf dem Sofa ein Vulkan Lava spuckt. Die Französin Nelly Ben Hayoun diskutiert in ihren Projekten die Frage, wie Design und Designprozesse als kritische Plattform genutzt werden können. Oft wird sie deswegen als “Willy Wonka des Designs und der Wissenschaft” bezeichnet. Auf der re:publica geht Ben Hayoun jetzt noch einen Schritt weiter.

Sie zeigt eine Collage aus Design, Film und postmodernem Performance-Theater. Verfremdungen wie das Auftauchen der zwei Doppelgängerinnen aus verschiedenen Richtungen im Raum sowie ein Feuerwerk aus Präsentationsfolien im Comic-Stil, schneller Sprache und Film wirken gleichermaßen irritierend und faszinierend. In Anlehnung an ”language as a design feature” folgt Nelly Ben Hayoun dem französischen Philosophen Roland Barthes. Das Ergebnis sind utopische Auftritte einer dreigeteilten Persönlichkeit, die das Publikum an sich binden kann.

In ihren Projekte setzt sich die Künstlerin mit kreativer Geografie, zeitgenössischer Mythologie und Politik auseinander. Sie gründete die “University of the Underground” – die erste Universität mit Sitz im städtischen Untergrund, die unkonventionelle Forschungsmethoden unterstützt; oder ein Space Orchester aus NASA-Piloten und Weltraumforschern. Demnächst wird sie ihre Videoserie “Life, the sea and the space Viking” veröffentlichen, die sich zwischen elf Kilometer Meerestiefe und dem Weltall bewegt.

Mit ihren Doppelgängerinnen möchte Nelly Ben Hayoun zukünftig bei weiteren Auftritten den Raum- und Zeitbegriff sowie die Leistungsfähigkeit von Politik und Ökonomie infrage stellen. Ihre postmodernen Performances sind Liveauftritte, denen sich die Zuschauer nur schwer entziehen können. Im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit nahezu aller öffentlichen Ereignisse ist Ben Hayouns Auftritt auf der re:publica zugleich anachronistisch und zukunftsweisend: Nelly Ben Hayoun und ihre Doppelgängerinnen präsentieren ihre eigene Antwort auf die Frage, wie Menschen immer und überall gleichzeitig anwesend sein können.

von Miriam Seyd und Kerstin Grünewald (FF)

Bildnachweis: re:publica/Jan Zappner(CC BY-SA 2.0)

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