Donald Trump, der Golem

Er sieht aus wie ein Mensch, ist aber stumm und seine Augen sind leer. Der Golem ist eine Figur aus der jüdischen Mystik, ein Avatar, den mächtige Personen aus Lehm erschaffen. Sie sagen ihm, was er zu tun hat und er befolgt ihre Anweisungen.

Als Science Fiction-Motiv kommt der Golem in vielen Filmen vor, etwa in Stanley Kubricks “2001: A Space Odyssey”. “Der Golem ist in Science Fiction-Filmen und -Serien sehr präsent”, sagt Martina Lüdicke, Kuratorin der GOLEM-Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin.

Zusammen mit Uri Aviv und Eden Kupermintz vom internationalen Filmfestival Utopia diskutierte sie auf der re:publica, wie Science Fiction in Museen oder auf Filmfestivals kuratiert werden kann.

Lüdicke, Aviv und Eden wollen Science Fiction-Ideen in die Realität holen. “Bei unserer Ausstellung haben wir uns gefragt: Wie schaffen wir es, dass der Golem für das Publikum relevant wird?”, erklärt Lüdicke. Im Jüdischen Museum ging das so: Ausgestellt in einer Vitrine sahen die Besucher eine weiße Baseball-Kappe mit dem Trump-Slogan “Make America Great Again”. Ist Trump also ein Golem, der in Zukunft noch entfesselt wird? Darüber sollten die Besucher spekulieren.

Obwohl Golems keine Menschen, sondern nur menschenähnliche Wesen sind, können sie das Bild der Gesellschaft spiegeln. “Lange waren die Golems das Abbild der weißen, männlichen Gesellschaft. Heute können Golems aber auch feministisch, queer oder shocky sein und so gesellschaftliche Zusammenhänge infrage stellen,” sagt Eden Kupermintz. Golems hätten deshalb großes Potenzial, könnten aber auch gefährlich werden. Wer Ausstellungen oder Festivals zu Science Fiction kuratiere, entscheide mit der Auswahl seiner Inhalte auch, welches Bild die Öffentlichkeit von Science Fiction bekomme.

By Laura Eßlinger (EJS), Ann-Kathrin Jeske (EJS)
Bildnachweis: re:publica/Gregor Fischer(CC BY-SA 2.0)

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